Historische Angaben

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Die Stadt erstreckt sich von der westlichen Küste des Golfes bis zur Kampanischen Ebene. Die Karte ermöglicht, die „unterschiedlichen Neapel-Zentren“  zu erkunden, die im Laufe der 2500 Jahre langen Geschichte entstanden sind: der primitive griechische Stadtkern; die griechisch-römische Stadt; das mittelalterliche Zentrum; die Stadt der Staufer und später der Aragonier; und schlieβlich die des 19. und 20.Jhs., die sich bis zu den Phlegräischen Feldern ausdehnt. Neapel ist eine Stadt der Kontraste und Widersprüche: mittelalterliche Stadtviertel, die noch heute die Marktriten jener Epoche bewahren; andere, die sich schon in der Art ihrer Begrenzung deutlich voneinander unterscheiden. Bis vor wenigen Jahren konnte man anhand des menschlichen Charakters das Geburtsviertel oder sogar das Wohnviertel der einzelnen Personen bestimmen. Ein Element hebt sich jedoch deutlicher als andere hervor: die Milde des Klimas

Bei einer Stadt, die im 7.Jh. v.Chr. gegründet wurde und in der Folgezeit ständigen Veränderungen im Stadtbild unterlag, ist es nicht einfach die Geschichte aufzuzeichnen: man müsste die „prähistorische Nekropole von Materdei“ (3.Jt.v.Chr.) sowie eine Ansiedlung aus dem 9.Jh.v.Chr. berücksichtigen. Die ältesten Quellen zitieren Parthenope und das griechisch-cumäische Neapolis, denen im 5.Jh.v.Chr. eine neue Stadt hinzugefügt wurde. Parthenope wurde zur Palepolis (alte Stadt), um sie nicht mit der „neuen“ (Neapolis) zu verwechseln. Es ist bis heute nicht sicher, ob es sich hierbei um zwei angrenzende Städte oder um „Viertel“ eines einzigen Zentrums handelte. Am Ende des 4.Jhs.v.Chr. wurde die Stadt durch Rom zusammengeschlossen und von dem Moment an sprach man nicht mehr von Palepoli und Parthenope. Die Rolle, die diese Stadt während der römischen Herrschaft spielte, ermöglichte ihr nicht vollständig „romanisiert“ zu werden und ihre Sprache und den Teil ihrer griechischen Natur zu bewahren, die noch heute in der neapolitanischen Sprache deutlich zum Ausdruck kommt.

Neapel wurde erst von Odoaker erobert, dann von den Goten, von Belisar, von Totila; sie wurde in eine byzantinische Stadt umgewandelt, trotzte den Langobarden und war bis zum 11.Jh. ein unabhängiges Herzogtum. Von den Normannen wurde sie den Staufern von Friedrich II. übergeben, unter deren Herrschaft sie eine Glanzzeit erfuhr. Den Staufern folgte das Geschlecht der Anjou, das bis zur Eroberung durch Alfons von Aragonien im Jahr 1442 herrschte. Die Stadt wurde mit der Schlacht vom 14. Mai 1503 von Don Consalvo von Cordoba  zum Vizekönigreich erklärt, bis sie schlieβlich von Karl von Bourbon (10 Mai 1734) übernommen wurde. Am 21. Oktober 1860 wurde sie dem Königreich Italien angeschlossen. Ihr Stadtnetz kann als eine Art Buch beschrieben werden; eine historische Sammlung, die sich Seite für Seite, Bauwerk für Bauwerk entfaltet und von der UNESCO als „Weltkulturerbe“ bezeichnet wurde.

Ein historisch-soziales Zeugnis zur Entwicklung Neapels im Laufe der Jahrhunderte ist ohne Zweifel die Bevölkerungszunahme: in griechischer Epoche wurden etwa 30.000 Einwohner gezählt; bis zum 13.Jh. waren es nicht mehr als 40.000, um zur Zeit der Anjou auf 60.000 und am Ende des Mittelalters auf 110.000 anzusteigen. Im Jahr 1547 wurden bei der ersten richtigen Volkszählung „212.106 Seelen“ registriert, während es im Jahr 1630 „44.000 Kochstellen“ (etwa 300.000 Einwohner) gab. Infolge der Pestepidemie im Jahr 1656 verminderte sich die Bevölkerung auf 160.000 Personen, um unter Karl von Bourbon wieder auf 270.000 und im Jahr 1798 auf 442.000 anzusteigen. Bei der Volkszählung im Jahr 1861 wurden 447.065 Einwohner aufgezeichnet, nach weiteren 60 Jahren 760.220 und etwa 900.000 waren es dann am Ende des Zweiten Weltkrieges. Heute beleben 1.061.365 Einwohner die Stadt. In der Zeit zwischen 1700 und 1800 wurde Neapel als die bevölkerungsreichste europäische Hauptstadt bezeichnet.

Die antike Stadt, die nach der griechischen gegründet wurde, erstreckte sich zwischen den heutigen Straβen Foria, Costantinopoli, San Sebastiano, Santa Chiara, Umberto I, Pietro Colletta und Castel Capuano, wo noch heute die drei „Decumane“ und die „Cardines“ durchführen. Eine bedeutende Erweiterung der Stadt wurde unter Roger dem Normannen (10.Jh.) vorgenommen, die im 13.Jh. unter der Herrschaft der Anjou bis zur heutigen Piazza Municipo mit dem Castel Nuovo (Maschio Angioino) fortgesetzt wurde. Mit den Aragoniern entwickelte sich die Stadt bis in das östliche Gebiet sowie in westliche Richtung, bis zur heutigen Via Toledo. Eine weitere Ausdehnung wurde unter den Bourbonen verzeichnet: die Stadt erreicht und entwickelt sich jenseits der Piazza Carlo III weiter, es wird die Villa Comunale gegründet. Auf den Hügeln von Sant’Elmo, von Capodichino und von Capodimonte werden zahlreiche Paläste und Bauwerke errichtet.

(Und) aus dieser Zeit stammt die Gründung dieser authentischen, als Vorläufer bezeichneten „Umgehungsstraβe“: der Corso Maria Teresa d’Austria (heute Vittorio Emanuele), der von besonderen „Reskripten“ geschützt wurde, um – über ein Jahrhundert vor der modernen Urbanistik – das Panorama durch die neuen Konstruktionen nicht zu beeinträchtigen. Zwischen dem Ende des Reiches der Bourbonen und den Anfängen der Herrschaft der Savoyen entwickelte sich Neapel in alle Richtungen weiter: in Richtung der Hügel, in östlicher und westlicher Richtung: von der antiken Ponte della Maddalena (wo eine Tafel noch heute an den Zöllnergurt erinnert), in Mergellina erweitern neue Bauwerke und neue Straβen das Stadtgebiet, während die Entwicklung der Stadt von den Hügeln hinab zu den Phlegräischen Feldern und dem Gebiet von Nola weitergeführt wird.

Die Monumente von Neapel sind Schätze, die auf die Zeit zwischen dem 7.Jh.v.Chr. bis zu den jüngsten zurückgehen: in den Ausgrabungsstätten von San Lorenzo (unterhalb des Straβenniveaus) und in der gotischen Kirche Santa Maria dell’Incoronata (weit unter dem Straβenniveau) aus dem 16.Jh. sind die einzelnen, bis über 2500 Jahre alten Stratifikationen deutlich sichtbar.

Die Kunstschätze und Monumente von Neapel umschlieβen 12 Museen, 4 weitläufige Pinakotheken, das Aquarium, den botanischen Garten, 4 Schlösser, 5 Stadttore, 2 Königspaläste, 6 groβe Parkanlagen, 8 Theater, zahlreiche Springbrunnen und Plätze, 7 Bibliotheken sowie eine bedeutende Anzahl von Straβen und Bauwerken. Es müssen auch die Kirchen (etwa 200) erwähnt werden, die gröβtenteils ein eigenes Kapitel über Architektur, Geschichte und Kunstgalerien ausfüllen (es handelt sich teilweise um Bauwerke, die aus heidnischen Tempeln gewonnen wurden) sowie die Katakomben.

Ein Kapitel für sich ist das historische Zentrum, ein Freilichtmuseum der Archäologie (die griechischen und römischen Mauern, die Ausgrabungen von San Lorenzo und die des Doms, die Cardines und Decumane, die Altware, die Strukturen des Carminiello ai Mannesi, die Statue des Gottes Nilo; doch auch einige bewohnte Bauwerke, die noch heute griechisch-römische Elemente in lateritium oder Säulen und Dekorationen beherbergen). Im antiken Zentrum, das von der Straβe Spaccanapoli in zwei Teile geteilt wird, befinden sich zudem die faszinierendsten Adelspaläste, die einzigartige Beispiele der Renaissancearchitektur darstellen, die eindrucksvollen Kreuzgänge sowie zahlreiche mittelalterliche Bauwerke (wie der überdachte Markt in Via Tribunali).

Das antike Zentrum ist aufgrund der Stratifikationen und Überbauten aus sämtlichen historischen Epochen von besonderer Bedeutung: die byzantinische, gotische, langobardische und normannische Herrschaft, die der Anjou, der Staufer, die spanische, österreichische, französische und bourbonische Herrschaft. Hier entstand die Tradition der Süβwarenherstellung in den Klostern und die der Kunsthandwerker, von denen die Tradition des Krippenbaus, die hauptsächlich in S.Gregorio Armeno weitergeführt wird, die wohl typischste und bedeutendste darstellt. Die Besichtigung des historischen Zentrum ist ein Ausflug in die lebendige Geschichte, die bei den archäologischen Ausgrabungsstätten beginnt und 25 Jahrhunderte durchquert, um schlieβlich inmitten von Erlebnissen, Reizen und unerwarteten Entdeckungen in der Gegenwart zu enden.

Das Kapitel Kunst, Monumente und Archäologie umschlieβt zudem einige römische Villen und Ruinen, die sich gröβtenteils auf dem Hügel von Posillipo erheben, den Palazzo Donn’Anna und die faszinierenden Barockvillen, die weitläufigen Steinbrüche (die Tuffsteinbrüche aus römischer Zeit), die neapolitanische Krypta, in der sich die Grabstätte von Vergil befindet, sowie zahlreiche urbanistische Elemente von Pizzofalcone, die die ständige Erweiterung der antiken griechischen Akropolis widerspiegeln. Doch dies bedeutet nicht, dass die Monumentalität, die Architektur und die Zeugnisse nicht auch in anderen Gebieten stark vertreten wären.

Erwähnt und besichtigt werden sollten zudem die Piazza Mercato, die Via Medina und die Piazza Municipio, die Piazza Plebiscito und Santa Lucia, Pizzofalcone, Mergellina und Posillipo, der Vomero, die Camaldoli und Capodimonte.

Hier erheben sich Paläste, Kirchen, Museen, Kulturzentren, Schlösser, zauberhafte Villen, Springbrunnen, Plätze und faszinierende Bauwerke, die dem Besucher ein auf der Welt nur selten zu findendes Kunstpanorama bieten. Aufgrund der Reichhaltigkeit der Kunstschätze empfiehlt sich das Sammeln von Informationen, die in den auf dem gesamten Stadtgebiet verteilten Fremdenverkehrsbüros zur Verfügung gestellt werden.

Neapel ist eine unendliche Schatzgrube, die sich von dem Strand des Cordoglio im Westen bis zu dem in San Giovanni im Osten erstreckt, um sich weiter über die Anhöhen auszudehnen und schlieβlich die südliche Grenze der Kampanischen Ebene zu erreichen: nun bleibt es dem Besucher selbst überlassen, dieses Gebiet Straβe für Straβe und Monument für Monument zu erkunden.

Neapel zu besichtigen heiβt auch und vor allen Dingen die Stadt zu „leben“. Doch um dieses realisieren zu können, muss man in direkten Kontakt mit ihren „Farben“ kommen, die weder den Verfall der Bräuche, noch die Groβstadtentartung widerspiegeln. Es ist hingegen das im Laufe der Jahrhunderte ununterbrochene Weiterführen der Traditionen.

Die Goldschmiedekunst, das Kunsthandwerk der Geigenbauer und der Künstler, die Meisterwerke aus Gusseisen oder Holz fertigen, die Meisterhaftigkeit der Krippenbauer, die es fertig bringen, mit einfachem Ton den Figuren und Trachten vergangener Jahrhunderte Form und Leben zu verleihen, die Meisterwerke der Keramiker von Capodimonte, von denen unzählige klassische Exemplare zu bewundern sind.

Und von dem Klima dieser „Farben“ werden Künstler wie Sammartino und Musiker wie Mozart inspiriert. Dies sind nur einige Beispiele, die jedoch ausreichen, um die Ursprünge der neapolitanischen Kultur und des Kunsthandwerkes zu verstehen.

Noch vor den Reisenden der Grand Tour entdeckten die antiken Griechen und Römer die landschaftlichen Reize von Neapel: das Meer, die Anhöhen, das milde Klima, die Ausblicke von unvergleichlichem Zauber. Die Ortsnamen bewahren die Erinnerung: Mergellina für Mar ialinum (klares Meer), Posillipo für Pausis lypè (Schmerzlinderung), Chiatamone für Platamon (ebene Küste). Nach einem Besuch in der Stadt bleibt ohne Zweifel der vom Hügel San Martino bewunderte Sonnenaufgang sowie der rotglühende Sonnenuntergang unvergessen, der das Castel dell’Ovo in ein bezauberndes Licht hüllt, das am Tag in das silberscheinende Meer vor Via Caracciolo zu tauchen scheint.

Selbst in den Nachtstunden ist Neapel von natürlichem Reiz, der jenseits der Lichterketten traumhafte und unvergleichliche Plätze entdecken lässt. Momente in natürlichen Zauber gehüllt und unvergessliche Anblicke einer antiken, nie verblühten Schönheit.

Text von Genny Bruzzano

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